Zeltlager 2026
Drehen wir die Zeit zurück ins 15. Jahrhundert auf die Burg St. Pautrus und platzen mitten in die Vorbereitungen auf das große Fest für unsere geliebte Königin.
Samstag: Unsere Fabel startet mit dem Ankommen jener langersehnten Gäste, welche nach einem Fußmarsch von der Kutsche zur Burg euphorisiert von uns, der Hofgemeinschaft der Burg, empfangen wurden. Nach dem Sieg über das ersehnte Empfangsbuffet wurde den Knappen unsere mit Liebe erbaute Burg zur Schau gestellt.
Doch plötzlich offenbarte sich zu unser aller Schreck, dass der aus Mythen bekannte Geist St. Pautrus' erwacht war. Schnell wurde bekannt, dass der einzige Weg, jenen bösen Geist zu verjagen, die Erlernung und Vertiefung sieben verschiedener Tugenden war.
Doch statt von Furcht gesteuert zu fliehen, starteten unsere Geladenen direkt mit der ersten Tugend: Sie stellten ihre Teamfähigkeit zweifelsfrei zur Schau, indem sie in 40 Minuten 20 Aufgaben, wie ein DIN-A4-Blatt zu lochen, einen Block Seife in Wasser vollständig aufzulösen oder 150 Liegestütze zu machen, untereinander koordinierten und gemeinsam erledigten. Dabei durften sie unseren Kampfruf „Hier regiert die KJL“ nicht absetzen.
Erstaunt von der kompromisslosen Einsatzbereitschaft zündete Luca, der Lichtbringer, die erste von sieben Kerzen an, um den Geist zu besiegen.
Um unsere Dankbarkeit zu zeigen, gestatteten wir anschließend den Wunsch unserer Gäste nach mehr Freiraum am darauffolgenden Tag. Begeistert durften wir so abends gemeinsam unser erstes Lagerfeuer genießen und bis zur Dunkelheit gemeinsam singen.
Sonntag:
Doch die nächste Tugend ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer erholsamen Nacht zogen wir gemeinsam los, um unsere Nächstenliebe unter Beweis zu stellen und wo war das schließlich besser möglich als an einer heiligen Stätte?
Nach dem Marsch zur nächsten Kirche außerhalb unserer Burg genossen wir unseren Dienst an Gott. Anschließend pilgerten wir zurück zur Burg und lösten unser Versprechen vom Vortag ein. Schulden des Wettens gelten schließlich als Schulden der Ehre – und Ehre wird nun mal großgeschrieben.
Unsere Gäste durften so jegliche Angebote unserer Burg in Anspruch nehmen, inklusive eines Bades in unserem Burggraben. Gekühlt und erholt durften sie nach Speis und Trank den Anblick der brennenden zweiten Kerze genießen.
Montag:
Die nächste Morgenstunde führte unseren Druiden-Mundschenk hilfesuchend zu den frischen Bewohnern St. Pautrus'. Gestresst erzählte dieser von seiner Notlage, noch für heute Abend einen neuen Trank brauen zu müssen. Da sowohl die dafür erforderlichen Kräuter als auch der essenzielle magische Teich in größerer Entfernung lagen, benötigte er Hilfe beim Besorgen.
Ohne zu zögern packten die Knappen ihre Säcke und pilgerten los. Jedoch erwies sich der Marsch nicht als so hürdenlos wie gehofft: Clever musste sich an gierigen Zöllnern vorbeigehandelt und eine instabile Brücke überwunden werden. Sogar die an einer Gabelung wartenden Fabelwesen des Ehrlichen und des Lügners wurden überlistet, um den richtigen Weg zu verraten.
Somit konnten die erforderlichen Kräuter gepflückt und das Fass gefüllt werden. Nach einem hürdenlosen Rückweg durfte unser besorgter Mundschenk endlich mit dem Brauen beginnen.
Als die geschwächten Knappen schlussendlich unsere burgeigene Kaverne besuchten, überraschte unser Druide sie als Dankeschön mit einem herabgebrauten, für den menschlichen Körper verträglichen Trank – Überlieferungen reden von einer erstaunlichen Nähe zu Almdudler.
Jedoch blieb die Belohnung selbstverständlich nicht nur dabei – die Erlernung der Hilfsbereitschaft führte selbstverständlich ebenfalls zum Brennen der dritten Kerze.
Dienstag:
Doch der verdiente Schlaf wurde noch in den Morgenstunden lautstark unterbrochen: Unser Medikus und unsere Pilgerin zankten sich lautstark über die Burg hinweg. Kräuter und Schmuck sollen entwendet worden sein.
Unverzüglich wurde, als Zeichen der Hilfsbereitschaft, von der gesamten Burg ein Gottesdienst auf die Beine gestellt. Ob Banner, Kreuz, Lieder, Altar oder Evangeliumsbegleitung – um alles wurde sich gekümmert.
Als anschließend selbst unser burgeigener Priester erschien, stand dem Versöhnungsgottesdienst nichts mehr im Weg. Von der Predigt bewegt, fielen sich kurz darauf unsere Streithähne endlich wieder in die Arme.
Als Reaktion auf die ersehnte Versöhnung rief unsere Königin den Ausnahmezustand aus: Die Ordnung wurde vernachlässigt und Matschgruben und Rutschen errichtet. Folglich genossen die Knappen Hofspiele wie Tauziehen im Schlamm, einen Schlammparcours und eine Planenrutsche vom Burgberg.
Um eine ausbrechende Schlamminvasion aber zu verhindern, gab es nach einer kurzen, aber deutlich gewonnenen Wasserschlacht ein großes Bad in unserem Burggraben.
Mittwoch:
Am vierten Tage wurde unsere Hofgemeinschaft unsanft vom Meister der Schmiede geweckt. Auch er war auf die Hilfe der Knappen angewiesen, denn die Zünfte des Hofes hatten ihren Zusammenhalt und ihre Leidenschaft verloren.
Wo einst die Glut in der Schmiede glühte, der Gesang der Minnesängerinnen den Tag erhellte und das Lachen der Hofnarren tönte, war heute Ruhe eingekehrt.
Um den Geist auf St. Pautrus zu vertreiben, mussten die Zünfte wiederbelebt werden. So teilten sich die Knappen daher auf unsere Zunftmeister auf und unterstützten sie dabei, die Hofgemeinschaft wieder zum Leben zu erwecken.
Fleißig schmiedeten sie Speere, bauten Steinschleudern und Schilder, fertigten Schatztruhen und Kopfschmuck und gestalteten Sprüche und Tänze.
Als die Königin die Hofgemeinschaft nach dem gemeinsamen Mahl mit ihrer Präsenz beehrte, präsentierten die Zünfte stolz ihre Handwerkskunst – zum großen Gefallen unserer ehrwürdigen Königin. Denn wie könnte es auch anders sein – überzeugt euch selbst! [auf Gadgets vor dem Altar zeigen]
Ausgerüstet starteten die Knappen am Nachmittag dann frohen Mutes in herausfordernde Ritterspiele, in denen sie den Zusammenhalt ihrer Zunft auf die Probe stellten, indem sie gegen andere Zünfte in Wettkämpfen antraten.
Bis zur Abendstund tobten und tanzten die Knappen über den Hof und hatten die Burg St. Pautrus so erfolgreich mit neuem Leben erfüllt! Glücklich entzündete der Bote des Lichts am Abend eine weitere Laterne und vertrieb den Geist weiter in die Dunkelheit.
Donnerstag:
Wie so viele chaotische Morgenstunden startete auch der fünfte Tag: Der Hofstaat wurde geplündert.
Die Schriftrollen unserer Weisen, die Witze des Gauklers und die Streichhölzer des Hofes Lichtbringers verschwanden über Nacht – entwendet, so die Vermutung, von dem bösen Geist.
Nachforschungen ergaben das potenzielle Versteck sämtlicher Objekte – erstaunlicherweise nicht in einem Teich, einer Höhle oder einem von Drachen bewachten Turm, sondern in einem öffentlichen Freibad.
Schnell begann die gründliche Suche auf dem Grund der Becken, in drei Metern Höhe über dem Wasserspiegel oder auf der Rutsche – wobei das unfreundliche Wetter gekonnt unbeachtet gelassen wurde.
Jedoch endete die Suche schlussendlich in einer enttäuschten und erfolglosen Heimreise auf die Burg.
Doch noch während der Kutschfahrt verbreitete sich die Kunde, die Objekte hätten die Burg nie verlassen und wären dort versteckt. Mit neuer Hoffnung wurde die Burg auf den Kopf gestellt, und schnell wurden einzelne Witze, Streichhölzer und Schriftrollen gefunden.
Mit voranschreitender Zeit machte sich aber Frustration breit – egal, wo man suchte, man fand partout die letzten Schriftrollen nicht. Mit hängenden Köpfen wurde die Suche letztlich eingestellt und die Kerze blieb kalt.
Freitag:
Dann war es soweit: Freitag, der Tag des Festes, klopfte an.
Noch immer enttäuscht von der Niederlage des Vortages versammelte sich die Burg in den Morgenstunden um das Lagerfeuer. Das Ziel: ein letzter überzeugender Widerstand.
Flaggen dreier verschiedener Teams wurden versteckt, Unterschlüpfe gebaut und Strategien ausgearbeitet. Anschließend war es an den Knappen, ihren Unterschlupf zu verteidigen und andere Flaggen in Besitz zu nehmen.
In drei langen und anstrengenden Stunden durfte der Hofstaat erneut von der Bereitschaft der Gäste überrascht werden. Mit vollem Einsatz wurde durch die Burg gesprintet, gerufen und sich beschwert, wenn der Gegner eindeutig mit unfairen Mitteln gewann.
Nichtsdestotrotz: Die vorletzte Kerze durfte nach dem überzeugenden Kampf gezündet werden.
Mit einer nach wie vor fehlenden Kerze erwarteten wir eine geknickte Stimmung über den Nachmittag, jedoch hielt die Dankbarkeit der Knappen die euphorische Atmosphäre aufrecht.
Gerührt von ihrem Einsatz und ihrer Dankbarkeit sammelte die Königin ihre Kräfte: Die Kinder hätten sich die Woche über bewiesen, etliche Tugenden gezeigt und dabei nicht schlappgemacht – der Geist hätte keine Chance und solle in die Schranken gewiesen werden.
Aus eigener Kraft entzündete sie die letzte Kerze … und der Geist ward besiegt.
Jubel tat sich breit – vor Freude über den Sieg und die Bereitschaft der Knappen organisierte unsere verehrte Königin noch am selben Tag den Ritterschlag jener, die anfangs fremde Gäste gewesen waren.
Das Festmahl schmeckte so gut wie nichts zuvor und zusammen wurde gesungen und getanzt – sogar während des Spüldienstes – bis die Flammen unseres letzten Lagerfeuers das Einzige waren, was die Dunkelheit durchbrach.
Ein Text von Levin